Warum es die Ohrenoperation in der Schönheitschirurgie gibt? Davon kann ich ein Lied singen. Ich habe die Gründe für eine Ohren-OP lange genug erfahren müssen, bis ich mich dafür entschied, die Ohrenkorrektur durchführen zu lassen. Jetzt erscheint mir alles wie ein schlechter, trüber Traum, was ich damals erlebt habe, und ich ertappe mich immer wieder dabei, wie ich Menschen, die zur Schönheitsoperation gehen mit einem Stirnrunzeln betrachte. Ich frage mich: Hat man das wirklich nötig, muss man an sich herumdrücken lassen?
Doch Menschen, die eine Schönheitsoperation durchführen lassen haben ihre Gründe. Diese Gründe hatte ja auch ich einmal, der kleine Sebastian auf dem Schulhof in der 6. Klasse, der von fiesen Klassenkameraden „Dumbo“ genannt wurde. Der Schulhof ist wahrscheinlich die klarste Allegorie dafür, wie es später im Leben läuft, wenn es dann da auch etwas subtiler wird. Das ahnte ich wahrscheinlich schon damals und in mir baute sich mit der Zeit ein innerer Druck auf, so dass ich mir entgegen meiner Überzeugungen, wahre Schönheit käme von innen, doch von meinen Eltern wünschte, mir meine abstehenden Ohren anlegen zu lassen.

Da mein Vater ein gut verdienender Beamter ist und wir bei einer guten Privatversicherung Krankenversichert sind, war es kein Problem, diese davon zu überzeugen, dass meine Ohrenoperation unbedingt notwendig für eine gesunde psychische Entwicklung des kleinen Sebastian wäre. Wie ich danach erfahren habe, ist das nicht selbstverständlich, da bei ästhetischen Operationen, wie es die Ohrenoperationen sind, normalerweise keine Krankenkasse für die Kosten aufkommt. Andere Menschen mit Ohrenkorrekturen, wie zum Beispiel auch bei der Ohrenverkleinerung, müssen diese selbst zahlen. Auf jeden Fall haben mir meine Eltern die Otopexie, also die Ohrenoperation gleich erlaubt, auch wenn die Versicherung nicht gezahlt hätte, dann wäre eben der Winterurlaub dieses Jahr draufgegangen. Alles für den Sprössling!
Wie die Ohrenoperation genau verlief, kann ich mich gar nicht mehr erinnern. Ich weiß nur noch, dass meine Mutter die ganze Zeit bei mir war, außer während der eigentlichen Ohrenoperation natürlich, bei der nur OP-Team, Anästhesist und Schönheitschirurg anwesend waren. Die Ohrenoperation habe ich in einem schummrigen Halbschlaf verbracht. Als ich wieder bei vollem Bewusstsein war, hatte ich einen schicken Verband um den Kopf, den ich eine Woche lang tragen musste. Das tolle war: Ich musste die Woche nach der Ohrenoperation nicht in die Schule und die Mädels aus meiner Klasse haben mir Krankenbesuche abgestattet! Aber alles in allem habe ich meine Ohrenoperation inzwischen größtenteils vergessen. Genauso wie die Zeit mit Segelohren und Hänseleien.